Verfasst von: kathapicco | 20. Juni 2008

“Schul”schwänzen

Heute in der Nachhilfe hatte ich wieder einen Fall, der mich sehr nachdenklich gemacht hat.

Ein Mädchen, das bei mir Französisch-Nachhilfe hat, kommt immer sehr unregelmäßig. Nein, es ist nicht Madame K., die kommt ja praktisch nie, sondern eine andere, nennen wir sie dann eben Madame M.

Madame M. fällt so in die Kategorie “Schülerinnen, die ich nicht gehabt haben muss”, sie ist mir nicht sonderlich sympathisch, bemüht sich nicht und dementsprechend fruchtet die Nachhilfe auch wenig bis gar nix.

Heute hat sie wieder mal gefehlt und nach Ende des Kurses kam dann plötzlich ein Anruf von der Mutter: Ob M. denn heute da gewesen wäre.
Äh – nein.
Die Mutter ist ungläubig und fassungslos, aber resigniert dann. Was soll sie am Telefon auch ausrichten…

Solche Fälle bringen mich zum Nachdenken. Einerseits, weil es gar nicht so selten vorkommt bei uns, andererseits, weil ich das so von mir gar nicht kenne. Und weil ich inständig hoffe, dass mein Kind mir später nie vorlügen wird, dass es irgendwo war, was gar nicht stimmt.
Mir geht es bei der Sache weniger ums Geld (die Eltern zahlen ja den teuren Nachhilfe-Unterricht, obwohl das Kind nicht dran teilnimmt), sondern eher ums Vertrauen. Um die Heimlichkeit, die Hinterlistigkeit, mit der M. agiert. Oder agieren muss?

Weil sie nicht so viel Vertrauen in ihre Eltern hat, dass sie ihnen sagen kann, was sie will?
Oder weil die Eltern so einen Leistungsdruck auf die Tochter ausüben?

Es ist viel einfacher zu sagen: “Ich bin schlecht in Franz und geh in Nachhilfe, aber es bringt trotzdem nix” als “Ich bin schlecht in Franz und tu nix dagegen”.

Ich geb ja zu, es IST verführerisch für die Kinder. Nur wenige Eltern kontrollieren die Teilnahme am Unterricht regelmäßig. Da kann sich ein Kind schon mal denken, hey, merkt ja keiner, ob ich in der Nachhilfe bin oder nicht, wenn ich rechtzeitig wieder heimkomme.

Aber wie kann man dem vorbeugen? Mir fällt so spontan keine Lösung ein.
Nur eins weiß ich: Wenn es schon so weit gekommen ist, dass das Kind hinter dem Rücken der Eltern so was macht, dann wird es sehr schwer werden, das Kind wieder davon abzubringen.

Ich bin gespannt, wie sich die Sache mit M. weiter entwickelt – ich hab eigentlich keine Lust, jedes Mal, wenn sie nicht kommt, bei den Eltern anzurufen. Das Mädel ist in der 10. Klasse, also seh ich eigentlich keine Notwendigkeit, sie bei den Eltern in die Pfanne zu hauen… da müssen die Eltern ansetzen und einen Weg finden, nicht der Nachhilfelehrer…!!!


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